Lexikon: Atelektase

 

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z   Alle

Unter einer Atelektase versteht man einen kollabierten Lunge|Lungenabschnitt, der mit wenig oder keiner Luft gefüllt ist. Die Alveolarwände liegen einander an.

Formen

Angeborene Atelektase

Die angeborene Atelektase wird auch als primäre Atelektase oder fetale Atelektase bezeichnet. Die Lungenanteile sind nach der nicht oder nur unvollständig belüftet. Ursächlich kommen zentrale Atemstörungen (z.B. Schädigung des Atemzentrums), Fruchtwasseraspirationen, Lungenfehlbildung und Lungenunreife (Surfactant-Mangel) in Frage.

Eine besondere Form der primären Atelektase findet sich als typischer Befund bei einer Totgeburt: Da die Lunge im Fetalleben physiologischer Zustand|physiologischerweise nicht entfaltet ist, kann dieser Befund auch Forensik|gerichtsmedizinisch verwertet werden, um eine vorhandene Atemtätigkeit nach der Geburt nachzuweisen oder auszuschließen.

Erworbene Atelektasen

Eine erworbene Atelektase werden auch als sekundäre Atelektase bezeichnet. Alle erworbenen Atelektasen haben eine minimale Restluft in den atelektatischen Lungenabschnitten und sind prinzipiell reversibel.

  1. Entspannungsatelektase: Nach Verletzung der Thoraxwand gelangt Luft in den Pleuraspalt (). Der Lungenflügel wird nicht mehr an der Thoraxwand gehalten und kollabiert. Die Lunge entspannt sich.
  2. Kompressionsatelektase: Durch Pleuraerguss, Tumor|Tumore der Pleura oder des Mediastinums wie auch vergrößerte mediastinale oder durch Thoraxdeformitäten kommt es zur Kompression des Lungengewebes. Es entstehen luft- und blutarme Abschnitte.
  3. Resorptionsatelektate: Nach Verlegung eines Bronchus (z.B. durch eitrige Bronchitiden bei chronische Bronchitis| chronischer Bronchitis, vergrößerten Hiluslymphknoten (z.B.bei , Sarkoidose oder Tumormetastasen), en oder Fremdkörpern) wird die distale Luft gefangen und resorbiert. Der im Versorgungsgebiet des Bronchus liegende Lungenanteil schrumpft.

Symptome

  • Bei der Perkussion (Medizin)|Perkussion hört man eine Dämpfung des Lungenschalls. Das Atemgeräusch ist abgeschwächt.
  • Im Röntgen|Röntgenbild sieht man verdichtete, nicht transparente Bereiche mit verringertem Volumen. Lufthaltige Bronchien liegen dann enger zusammen und lassen sich manchmal als positives Pneumobronchogramm erkennen.
  • Im Ultraschall sieht man Atelektasen im Bereich eines Pleuraergusses als nicht belüftete, volumenverminderte Lungenabschnitte.
  • Weitere diagnostische Möglichkeiten: oder NMR

Folgen

Die meisten Atelektasen lösen sich wieder von selbst auf oder werden durch medizinisch-pflegerische Maßnahmen beseitigt. Als Komplikation kann es zu einer Entzündung|Entzündungen und Ödem|Ödemen, später zur Fibrose|Fibrosierung kommen. Je nach Größe der Atelektase ist die Oberfläche des Gasaustausches verringert, was zur zentralen führen kann. Im atelektatischen Lungenabschnitt wird die Lungendurchblutung durch Vasokonstriktion gedrosselt (Euler-Liljestrand-Mechanismus). Dadurch nimmt der Widerstand in der Lungenstrombahn und damit die Rechtsherzbelastung zu. Es kann zu einem Cor pulmonale kommen. In den nicht belüfteten Lungenanteilen können Pneumonie|Pneumonien entstehen.

Therapie

  • physikalische Maßnahmen sind sehr wirkungsvoll
    • Lagewechsel
    • Kaltwasseranwendungen
    • Klopfmassagen
    • Atemübungen
  • Schmerzbehandlung bei Rippenfrakturen, Pleuritis
  • Die Mukolyse (= Schleimverflüssigung) ist umstritten wirksam
  • Als Medikamente kann man Theophylline, Betasympathomimetika und Antibiotika bei bakterieller Infektion einsetzen.
  • Bronchoskopie mit Absaugen des Eiters, zähen Sekrets oder Entfernen des Fremdkörpers

Siehe auch: chronische Bronchitis - COPD - Mittellappensyndrom - Mukoviszidose - Spontanpneumothorax


Kategorie:Medizin